>PERFORMING HOPE< Herbst Projekt 2020 – Auftakt SPRUNG.wien

TAGASYL – Performance nach Motiven von Maxim Gorki
Idee: Matthias Kreitner

Text Montage/Raum/Regie: Eva Brenner mit Textzitaten  von Ernst Bloch,  Silvia Federici, Noami Klein, Vandana Shiva, Jean Ziegler;
Performance: Margot Hruby (A), Navina Neverla (A), Klaus Haberl (A), Tanju Kamer (A/TR), Rremi Brandner (A), Marta Gomez (ES); Regieassistenz: Lisa Hasenbichler (A), Technik/Licht: Richard Bruzek (A); Videofilme: Erich Heyduck (A), Organisation: Andrea Munninger (A)

Premiere: Sa 21.11.2020, 19:30h

Aufführungen: So 22.11.2020, Mo 23.11.2020, Di 24.11.2020, Mi 25.11.2020, jeweils 19:30h

Ort. Erbsenfabrik Wien (Brick5), Herklotzgasse 21, 1150 Wien

Bezirkstournee Wien:
Mi 2.12.2020, 19:00; Amtshaus Wieden, Favoritenstraße 18, 1040 Wien
Do 3.12.2020, 19:30; Volx*Club Ottakring, Familienplatz 6, 1160 Wien
Fr 4.12.2020, 19:30; Perinetkeller, Perinetgasse 1, 1200 Wien

Mo 7.12.2020, 19:30; Cafe Korb/Artlounge, Brandstätte 9, 1010 Wien

 

Das Projekt
Unter dem Titel PERFORMING HOPE – und im Anschluss an das UTOPIE-Projekt 2019 – nimmt der Auftakt des neuen Projekts SPRUNG – Community Performance Center – die Suche nach dem guten Leben, dem „buen vivir“, auf. Dabei geht es (nach Ernst Bloch) um eine konkrete Utopie, die seit Jahren hundertausende von Menschen weltweit antreibt, alternative Lebens-Wirtschafts- und Kulturformen zu entwickeln. Die namhafte Italo-Amerikanische Sozialwissenschaftlerin Silvia Federici fasst diese neuen Umwelt-Anti-Globalisierungs-, Frauen- und Friedens-Bewegungen unter dem Begriff der „Commons“ – die Wiedererlangung unserer kollektiver Handlungsmacht über die Ressourcen unserer Erde (Land, Nahrung, Kulturgüter), wozu auch Theater und Performance zählen.

 

PERFORMING HOPE widmet sich unter Anleihen bei Federici, Bloch, Jean Ziegler, Naomi Klein und Vandana Shiva dem Konzept der „Commons“ und unternimmt eine Aktualisierung von Maxim Gorkis legendärem Stück, Nachtasyl. Der Begriff „Asyl“ ist nicht nur seit den massiven Migrationsbewegungen um 2015 in aller Munde, er erhält angesichts der weltweiten Coronakrise mit verordneter Quarantäne und umfassenden Begegnungs-Verboten schockierende Aktualität.
In der Performance TAGASYL konfrontieren wir uns mit sozialer Isolation sowie unseren Umgang mit Abschottung, Ausgrenzung, Diskriminierung, Distanz und Nähe. Im Spiegel der Figuren Gorkis erkennen wir uns selbst: obwohl wir heute keine nassen Russischen Kellerräume bewohnen, teilen wir die Verzweiflung, Ohnmacht und Ratlosigkeit. Unsere „Obdachlosigkeit“ ist sozialer, psychischer, kultureller Natur – wir befinden uns zwar (zumeist) in warmen Stuben, haben ein Dach über dem Kopf,  ausreichend zu Essen und Trinken.  Dennoch grassieren Angst, Abstieg, neue Armut, Einsamkeit und Tod. Ähnlich wie Gorkis Galgenvögel und Taugenichtse haben wir das Gefühl, am Abgrund zu stehen, verlieren wir an  Wirkmächtigkeit über die „Commons“, dh. die Verfügbarkeit über sozialen Raum, Arbeit, menschlichen Austausch. Viel steht heute auf dem Spiel, es geht um Zugang zu den gemeinsamen Ressourcen unserer Erde, die Aussicht auf Zukunft, um HOFFNUNG!  Politisches Theater, das den Namen verdient, muss sich diesem Kampf annehmen: Erhalt sozialer und kultureller Freiräume, menschlicher Begegnung, Arbeit für alle und dem für die unbeschädigte Natur.

 

Im TAGASYL sitzen fünf zeitgenössische Figuren – einsame Monaden – vor ihren hell erleuchteten Laptops und funken quer über den Erdball, um per Videostream einen Rest von „normalem“ Leben zu erhaschen Sie sind gepeinigt von der Sehnsucht nach Begegnung, Nähe, Austausch. Im leeren Raum jagen sie atemlos der Suche nach dem „guten Leben“ nach – Liebe, Zuneigung, Begegnung, Community. Es entfaltet sich ein  performativer Diskurs, der das Publikum mit einbezieht, unterbrochen von szenischen Blitzlichter aus Gorkis Stück, in schwarz-weiß auf die Videoleinwand gebannt. Die live Performance springt aus der Videoprojektion über in den Raum und transportiert das Gefühl von „Asyl“ in die Gegenwart. Mit ausgewählten sozialkritischen Textzitaten stellen wir uns den Krisenfragen: Asyl, Klima, Arbeit, Gerechtigkeitskrise – und die Hoffnung auf den Aufbau neuer „Commons“.  Persönliche Statements wechseln mit Dialogen aus dem Nachtasyl, in dem wir denselben Figuren in historischen Kostümen wieder begegnen, und legen die Dialektik zweier Zeitebenen – auf der Suche nach dem „besseren Leben“ für alle – offen.

 

AUF ACHSE 2020 in Rudolfsheim-Fünfhaus

Wie jedes Jahr performt auch das SPRUNG-Team das jährliche StraßentheaterFest AUF ACHSE:

Leitung: Lisa Hasenbichler

Angelehnt an Texte aus dem TAGASYL werden in mehrwöchigen Workshops zu den Themen politische Krise, Hoffnung der Jugend und  Zukunftsperspektiven entwickelt, die in die Straßentheaterperformance einfließen. Die Stationen inkludieren bereits in den Vorjahren bespielte (Café Landkind/Schwendermarkt, Gasthaus QUELL, Buchhandlung Melange, Kirchenplatz) sowie neue, die sich speziell mit der Geschichte des 15. Bezirks befassen, wie zB. die Gedenkstätte auf dem Gelände der ehem. Synagoge Turnergasse u.a. Die kostenfreien Workshops von AUF ACHSE 2020 stehen unter dem Titel “PERFORMING HOPE” und wenden sich an Zielgruppen im Bezirk, die Freude am Erzählen, Spielen, Experimentieren und Präsentieren haben.


Datum: Fr 20.8. (16h-21h)

Ort: rund um Reindorfgasse, 1150 Wien

Künstlerisches Team:  Raimund Brandner (A), Moussa Babapatl (NIG),, Klaus Haberl (A), Margot Hruby (A), Tanju Kamer (A/TR), Saleh Khaled (SR), Joschka Köck (D), Mazen Muna (SR), Navina Neverla (A), Odysseus Stamoglou (GR), Evgenia Stavropoulou (GR), Petra Unger (A), Christine Turel-Matienzo (A), Marta Gomez (ES), Band Hans Breuer (A).

 

 

SPRUNG.wien – Entwurf für ein community performance center

Die Neuverortung von politischer „Performance“ steht im Zeichen aktueller Krisen – sie sucht nach:

  • Performance als Prozess humanistische Entwicklung 
  • Kollektivem Lernen im Licht notwendiger Transformationen der Gesellschaft
  • Einübungen in neue (kulturelle/soziale) Praxen und performative Zugänge

 

Das 2020 initiierte Projekt SPRUNG.wien hat zum Ziel, Brücken zwischen Theater/Performance, Aktivismus und  Community-Arbeit zu schlagen und entwickelt gemeinsam mit KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und AktivistInnen integrierte Arbeitskonzepte und Programmformate: Jährlich 2-3 kleinformatige Performance Projekte sind offen für die Teilnahme aus der Community, dazu fügen sich Workshops (Experimentelles Theater, Ritual und Kampfkunst), sozialkritische Theorie und das Straßentheaterprojekt AUF ACHSE. Geschaffen werden soll eine vitale, interdisziplinäre, autonome Plattform für Produktion, Weiterbildung, Austausch, Begegnung und Aktivismus.
SPRUNG.wien legt den Grundstein zu einem erst zu schaffenden performativ-diskursiven Aktionszentrum in Wien, das eine Lücke in der alternativen Kulturlandschaft füllt, die hier seit der Schließung des Dramatischen Zentrums (1972-89) in den Bereichen alternatives, politisches Theater, Performance und Pädagogik klafft.

Angelpunkte der Arbeit sind der Dialog der Generationen in kleinformativen Performance Projekten, Trainings und Theoriemodulen, die offen und erschwinglich sind für Profis und Laien. Zentral ist die Vernetzung mit der aktivistischen Szene, kritischen Sozial- und Kulturwissenschaften und der Community. Solchermaßen stellt  SPRUNG.wien eine ambitionierte Synthese performativer Arbeitsansätze von Eva Brenner und Team im ehem. Projekt Theater STUDIO/FLEISCHEREI (1998-2020) dar – in Umkehrung des Verhältnisses (Fort-)Bildung, Diskurs und Produktion.

 

Was wir also erleben, ist eine Umwertung politischer und kultureller Werte. […] Immer mehr Menschen  [suchen] nach alternativen zu einem Leben, das von der Arbeit und dem Markt bestimmt wird, w3eil die Arbeit unter diesen prekären Bedingungen nicht mehr identitätsstiftend sein kann und sie das Bedürfnis haben, kreativer zu sein. … Auf unterschiedliche Weise erhaschen wir in (den) Sozialen Bewegungen eine flüchtigen Blick auf die Entstehung einer anderen Vernunft, die nicht nur im Widerspruch zur sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit steht, sondern uns wieder mit der Natur verbindet und eine andere Vorstellung davon bietet, was es bedeutet, Mensch zu sein.“ – Silvia Federici, Die Welt wieder verzaubern, mandelbaum, 2019, S. 284-86.

 

Dank an: BKA-Kultur, Kulturamt der Stadt Wien, Bezirksförderung: Fünfhaus, Wieden, Brigittenau, FSG/AK Wien, IODE.Perinetkeller, Brick-5,Volx*Club Ottakring, Teleprint, Direct Marketing, Steuerberatungskanzlei Gissauer, Weinhaus Pöschl, Institut Dr. Schmida, ÖH Uni Wien, transform!europe,  und weitere.